Von Zauberwürfeln und doofen Therapeuten.

Am Mittwoch hatte ich einen Termin bei einem Psychologen – der sollte für den Psychiater feststellen, ob es möglich wäre, dass bei mir Autismus vorliegt und um zu entscheiden, ob ich eine Überweisung zur genaueren Diagnostik bekomme oder nicht.
Der Psychologe war ein Fall für sich, letztendlich hat er mir die Überweisung aber zugesichert, mehr wollte ich von ihm ja gar nicht. Hat aber auch gesagt, dass er fragen möchte, ob die Diagnostik vielleicht doch hier vor Ort möglich ist – für Kinder ist es das nämlich. Ich bin ja mal gespannt, ob er das durchkriegt, ansonsten muss ich eben (mit meiner Betreuerin) nach Köln oder Aachen fahren, wo sich die von hier aus nächsten Zentren für Autismus im Erwachsenenalter befinden.

Ich habe während des gesamten Gesprächs immer wieder und wieder und wieder meinen Zauberwürfel gelöst. Der Psychologe hat immer wieder auf meinen Würfel geschaut, und beim ersten Lösen hat er sogar noch nachgefragt, ob er jetzt wirklich gelöst sei. Ja, war er. Überhaupt hat er ziemlich viel über Skills gesprochen, und über Selbstverletzung. Juchu, mein Lieblingsthema. Zwischenzeitlich habe ich ziemlich gemauert, und gerne Gegenfragen gestellt oder ihn auf Fehler in seiner Argumentation hingewiesen – aber ich habe ihn am Leben gelassen, Ehrenwort.
Und alle seine Finger hat er auch noch. Er hat zwischendurch tatsächlich versucht, mich aus der Reserve zu locken – aber ich habe ihn eiskalt abblitzen lassen. „Aber wenn Sie in der Öffentlichkeit einen Zauberwürfel lösen, dann ist das ja doch sehr auffällig.“ „Ja und? Das ist doch nicht mein Problem.“ „Ja… ja, also da haben Sie ja schon irgendwie Recht.“

Ich habe eine erklärte Abneigung gegen Psychologen und Psychiater, aber mit ihnen spielen tue ich ja doch hin und wieder ganz gern. Kniffelig wird es dann, wenn sie im Zweifelsfall darüber entscheiden, ob ich einkassiert werde oder nicht; ich finde zwar nicht, dass das nötig wäre, aber Fachmenschen könnten das eventuell anders sehen. Aber dieser Psychologe hat mich gefragt, ob ich mir eine stationäre Therapie vorstellen kann. „Nein.“ „Aber…“ „Nein!“ Nein, kann ich nicht. Erst recht nicht in dieser Klinik, wo selbst die Ambulanz schon total überfordert ist mit mir und wo sowieso nur Verhaltenstherapeutische Ansätze zur Anwendung kommen, die bei mir in mittlerweile vier Anläufen nicht gegriffen, sondern die Situation jedes Mal lediglich verschlimmert haben. Ich bin da also nicht mehr bereit zu Experimenten. Ich möchte bitte erst diese Diagnostik machen dürfen, bevor ich mich erneut in eine Therapie begebe, welche auch immer das dann sein mag.

Born to be a tupfenkind…

Puh. Gar nicht so einfach, wieder einen Anfang zu finden. Dabei lief es so gut. Ich habe ein Harry Potter Let’s Play für mich entdeckt, von diesem Handyspiel „Harry Potter: Hogwarts Mystery“. Ich weigere mich, das zu spielen, denn es funktioniert mit einem Energiesystem, was bedeutet, dass man entweder echtes Geld investieren (und das nicht zu knapp) oder ständig warten muss, bis sich die Energieleiste wieder aufgeladen hat und man weiterspielen kann. Darauf habe ich schlicht keine Lust – wie gut, dass es einen Potterhead gibt (na gut, er ist bestimmt nicht der einzige), der davon ein Let’s Play macht und stellvertretend für viele andere Menschen Geld ausgibt, um weiterzukommen.

Ich kann mich kaum aufs Schreiben konzentrieren; ich habe gestern Abend Bedarf nehmen müssen, weil ich extrem unruhig war. Ein neues Medikament, weil Tavor nicht funktioniert hat. Und scheinbar werde ich davon matschig. Gestern Abend hat es nicht wirklich etwas gebracht, aber heute fühlt sich mein Kopf an wie eine überreife Banane. Am Montag hatte ich ein Gespräch mit meiner Betreuerin, bei dem ich einige wichtige Erkenntnisse der letzten Zeit in Worte fassen konnte. Darüber wollte ich eigentlich jetzt schreiben, aber ich merke, dass das gerade nicht geht. Ich kann kaum den Bildschirm fokussieren, und zum Glück kann ich blind und komplett ohne Hinschauen tippen – sonst wäre hier wohl gerade nur Buchstabensalat. Also verschiebe ich das auf später.

Ein Nickerchen könnte mir jetzt gut tun. Sonst dümple ich den ganzen Tag vor mich hin, obwohl ich eigentlich gern rausgehen würde. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und ich fühle mich deshalb eingesperrt. Da hilft nur rausgehen, Sonne auf die Nasenspitze scheinen lassen und ein Eis essen. Aber in meinem jetzigen Zustand würde ich vermutlich vor das nächste Auto rennen, ohne es auch nur zu bemerken (wir erinnern uns: deshalb hatte ich Bedenken, mir Tavor einzuwerfen. Weil ich dieses wattige Gefühl nicht mag und mich nicht so matschig fühlen will.).

Schuldig.

In der letzten Zeit habe ich mich bemüht, im Durchschnitt jeden zweiten Tag zu bloggen. Und nun sind schon wieder einige Tage vergangen, an denen ich gar nichts geschrieben habe. Dafür ist vor Kurzem eine Schaltfläche auf meiner WP-Startseite erschienen, dass ich mit meiner Schreiberei Geld verdienen soll/kann. Das wäre mein Traum. Gleichzeitig mag ich nicht gezwungen sein, ständig irgendwelche Produkte anzupreisen, und ganz nebenbei glaube ich, dass mein Blog noch viel zu klein ist, damit das funktioniert. Aber vielleicht ja irgendwann…

Ich weiß gerade nicht, wieviele Tage seit dem letzten Post vergangen sind, ich schätze 4 oder 5. Ich versuche, mich dadurch nicht schlecht zu fühlen, denn in der Zeit ist wenig passiert – und noch weniger, über das ich etwas schreiben wollen würde. Und wieso sollte ich etwas schreiben, wenn ich nicht schreiben möchte? Manche Themen sind tabu, und andere nicht des Schreibens wert. Also lasse ich es, wenn ich nichts zu sagen habe. Eigentlich habe ich nur eine Sache getan, über die ich wirklich etwas schreiben mag. Ich habe wieder Klingen gekauft.

Ich fühle mich schuldig, weil ich das nicht hätte tun sollen. Dessen bin ich mir bewusst – aber ich fühle mich sicherer. So hätte ich jederzeit die Möglichkeit mich zu verletzen; das heißt nicht, dass ich es sofort tue, aber ich könnte. Und das allein zählt. Zeitgleich ist es nicht gut, mich zu verletzen. Ja ich weiß. Aber mir gehen die Strategien aus. Ich löse ständig meine Zauberwürfel, sogar den 4x4er habe ich mittlerweile bezwungen, und ich lese auch echt viel, aber ich schaffe immer nur ein paar Seiten, bevor ich mich nicht mehr konzentrieren kann. Das wird wohl an den Medikamenten liegen.

Auch meinen zweiten Tavor-Versuch habe ich mittlerweile hinter mir – mit dem Ergebnis, dass ich hinterher unruhiger war als vorher. Der Selbstverletzungsdruck ist gestiegen, und ich bezweifle, dass ich noch lange standhalten kann. Ganz im Gegenteil, es wundert mich, dass ich mich seit Donnerstag (=Tavor am Abend) noch nicht verletzt habe. Ich fühle mich schuldig, weil ich abhängig bin. Ich fühle mich schuldig, dass ich tatsächlich wieder Klingen gekauft habe. Ich fühle mich schuldig, weil ich bereits jetzt weiß, dass ich dem Verlangen irgendwann wieder nachgeben werde, obwohl die letzte Selbstverletzung (Verbrennung am linken Unterarm) noch nicht verheilt ist. Ich fühle mich schuldig, weil ich mich auf die entstehenden Narben freue, weil ich sie ästhetisch finde.
Schuldig in allen Punkten.

Tabletten-Reigen.

Zum Glück ist meine seltsame Anwandlung von „Ich muss unbedingt meinen Kopf gegen die Wand donnern.“ wieder vorbei. Also scheint es tatsächlich am Tavor gelegen haben. Ob es einen zweiten Versuch geben wird, weiß ich noch nicht – ich schätze, ich werde da mal meine Betreuerin um Rat fragen, was ich tun soll. Mir ist bewusst, dass ich die Entscheidung ob ja oder nein letztendlich selbst treffen muss, aber ich bin mir unsicher, ob ich das Risiko eingehen soll; wer weiß, wie stark dieses Verlangen bei einem zweiten Versuch ist. Ich habe wenig Lust, mit zertrümmertem Schädel im Krankenhaus zu liegen.

Apropos Medikamente: Am Freitag war ich mit der Katzen-Lady einkaufen, und vorher in der Apotheke. Ein Rezept von Mr. Droge das war ein Abenteuer… und eins vom Psychiater, macht insgesamt 3×100+2×50=400 Tabletten. Irgendetwas lief mit dem Drucker schief, jedenfalls drückte die Apothekerin mir nach einigem Hin und Her einen Kassenzettel in die Hand, auf dem nicht nur die einzelnen Medikamente draufstanden, sondern auch der Preis, den die Krankenkasse dafür zahlen muss. Und… wow, insgesamt über 200€ für Medikamente, von denen manche für 3 Monate reichen und andere nur gerade so für einen. Zum Glück muss ich das nicht selbst zahlen und sogar die 5€ Rezeptgebühr fallen dank Befreiungskarte weg – ein Hoch auf unser deutsches Gesundheitssystem. Ich bin wahrlich nicht der größte Fan davon, und ich falle auch ziemlich oft durch irgendwelche Raster durch, aber ich könnte es mir definitiv nicht leisten, die Medikamente alle selbst zu zahlen. Die Pille alle drei Monate reicht mir voll und ganz, und das sind „nur“ knapp 40€.

Aber zurück zur Vorgeschichte – das Rezept von Mr. Droge. Am 20. Mai habe ich dort ein Rezept bestellt, denn eigentlich hätte die Praxis ab heute 3 Wochen Urlaub gehabt. Die Praxis hat sowieso nur von Montag bis Donnerstag geöffnet, und auch nicht zu Vollzeit-freundlichen Zeiten, d.h. die Katzenlady könnte mir das Rezept nicht abholen. Letzte Woche Dienstag, am 26. Mai (ergo am 2. Arbeitstag nach Bestellung), bekam ich einen Anruf, dass ich doch gefälligst das Rezept abzuholen habe, ich hätte das ja schließlich bereits am 20. bestellt. Ja. Hatte ich. Weil ich nicht immer vorher abschätzen kann, an welchem Tag ich fit genug bin für einen Bus- und Fußmarsch dorthin. Und weil ich dachte, dass bald Urlaub ist und ich demnach vorher für Nachschub sorgen muss. Letztendlich abgeholt habe ich es dann am Donnerstag, denn Mittwoch war ja bereits verplant. Und am Tresen klebte ein Zettel, dass der Urlaub verschoben ist in die zweite Juni-Hälfte. Grummel. Dann hätte ich mir ja noch Zeit lassen können. Aber gut, jetzt habe ich eben eine Extra-Ladung Medis hier.
Die Sprechstundenhilfe, die sonst nur nachmittags da ist (nicht der Drache also), meinte, dass sie gerade noch an mich gedacht hätte und wie es mir geht und bliblablubb. Ich habe darauf verzichtet, eine Diskussion vom Zaun zu brechen darüber, dass sie meiner Meinung nach zum wiederholten Male alles andere als professionell auftritt. Aber meinetwegen, soll sie tun. Dann sprachen wir darüber, dass ich dort Briefumschläge deponieren soll, damit sie das Rezept nach Bestellung einfach schicken kann statt dass ich dort hinstolpern muss – ich bin aber noch nicht sicher, ob ich diesen Vorschlag wirklich realisieren soll, denn es ist zwar lästig, aber ich befürchte irgendwie, dass mein Zustand sich nur noch weiter verschlechtert, wenn ich nirgendwo mehr hingehe und alles per Post/online/durch meine Betreuerin/durch die Katzen-Lady erfolgt. Also tendiere ich eher dazu, wie vorher auch die Rezepte selbst abzuholen. In absoluten Notfällen wäre es zwar praktisch, nicht hinzumüssen, aber auf Dauer ist es keine zufriedenstellende Lösung.

Lieber Körper, krieg‘ dich bitte wieder ein. Ich brauche dich noch eine ganze Weile. Bittedankeschön!

Tavor und ich.

Nein, wir werden in diesem Leben wirklich keine Freunde mehr. Gestern Abend, ich konnte keine 10 Sekunden ruhig sitzen, ständig war irgendetwas an mir in Bewegung, und ich habe mich überwunden und eine Tablette vom Tavor (1,0 mg sublingual, d.h. löst sich im Mund sofort auf) genommen. Drei Stunden später war ich noch genauso unruhig wie vorher, lediglich ein bisschen müder als sonst und ich hatte ein unangenehm wattiges Gefühl im Kopf. Bäh. Ich bin schlafen gegangen, und heute morgen wie gerädert aufgewacht. Innerlich nach wie vor super unruhig, war ich trotzdem nicht in der Lage, das nach außen zu kanalysieren. Mein Körper war unglaublich träge, und das wurde auch erst im Laufe des Tages besser.
Aktuell habe ich das dringende Bedürfnis, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen beziehungsweise meinen Kopf feste dagegenzuschlagen. Ich bin irritiert, denn das hatte ich so noch nie. Ich habe stark das Tavor im Verdacht, und ich hoffe, dass dieser Impuls morgen schwächer geworden ist. Ich muss tatsächlich aktiv dagegen ankämpfen, meinen Kopf nicht mit Karacho gegen die Wand zu donnern. Und Kopfschmerzen habe ich, schon bevor mein Kopf überhaupt mit einer Wand in Berührung gekommen ist.

Ich mag zwar den Spruch „Je größer der Dachschaden, desto besser der Blick auf die Sterne.“, aber ich halte es dann eher mit dem psychischen Dachschaden, der zweifelsohne verdammt groß ist – einen physischen kann ich gerade so gar nicht brauchen. Vielleicht bin ich sogar so mutig, Tavor in ein paar Tagen noch ein zweites Mal zu testen. Sollte aber das gleiche (oder ein ähnliches) Ergebnis dabei herauskommen, dann werde ich mich jedem weiteren Versuch konsequent verweigern. Darin habe ich ja bereits Übung. Und ich bleibe dabei, eine Abhängigkeit von dem (oder einem ähnlichen) Zeug ist ziemlich unwahrscheinlich, einfach weil mir dieses Watte-Gefühl so sehr zuwider ist. Vielleicht weil ich damit Krankenhaus und OP und permanente Grenzüberschreitung verbinde, das wäre zumindest meine Herleitung der Abneigung gegen Watte im Kopf. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich eine derart verkopfte Menschin bin, dass es für mich wenig Schlimmeres gibt als auf meinen Verstand verzichten zu müssen.

Hoffentlich erwache ich morgen Früh ohne das Bedürfnis, mir den Schädel einschlagen zu wollen.

edit: Ausgerechnet ein Bericht über Tavor ist mein 200. Beitrag hier auf dem Blog. Ist das ein Zeichen? Einmal Psycho, immer Psycho oder so ähnlich.

Mir ist langweilig, also blogge ich.

Gestern war ein langer Tag. Vormittags war ich ein letztes Mal in der Firma, habe mich von den Anwesenden verabschiedet und meinen Arbeitsplatz geräumt. Rund zwei Stunden habe ich im Kreise meiner ehemaligen Kollegen zugebracht, und ich hoffe sehr, dass ich zurückkehren kann, wenn sich meine gesundheitliche Situation stabilisiert hat. Es war ein sehr ungewohntes Gefühl, so geschätzt zu werden wie es dort der Fall ist. Jede/r freut sich, hoffentlich bald wieder mit mir zusammenarbeiten zu können. Keiner hat wirklich realisiert, dass ich nur einige Wochen dort war und nicht mehrere Monate. Trotzdem hat sich der Abschied unangenehm endgültig angefühlt, auch wenn das (meines Erachtens absolut nervige und unnötige) „Gib Pfötchen“ dank Corona weggefallen ist und stattdessen nur gewunken wurde. Ich habe mich eine ganze Weile mit meinen ehemaligen Kollegen unterhalten, immer einzeln oder zu zweit, und auch mit meinem Ausbilder. Es ging um Tagesstruktur, Hobbies, Lieblingsfilme… alles mögliche. Ich habe ihm erzählt, dass ich regelmäßig blogge, und er fragte „Und wie heißt du dort?“ – ups, das war knapp. Fast hätte ich ihm den Namen verraten, aber zum Glück war dieses Mal mein Kopf schneller als mein Mund. Ich verfremde hier alles, aber trotzdem muss er gewisse Dinge über mich und mein Leben dann doch nicht geben.
Meine Betreuerin hat mich dann dort abgeholt, weil wir danach noch einen Termin in der Ambulanz der örtlichen Psychiatrie hatten (neuer Psychiater, juchee!), und er klebte sofort an der Fensterscheibe. „Da draußen… steht dein Taxi? Was steht denn da drauf?“ „Neugierig bist du auch gar nicht, ne?“ „Doch, sehr! Ich will alles wissen!“ „Na dann bist du bei mir falsch, ich lasse mir ungern in die Karten sehen…“ „Oh…“ Naja, jetzt weiß er, bei welchem Betreuungsdienst ich klientiert bin (das Wort gibt es gar nicht, oder?), und sollte er das hier jemals lesen, wird er mich erkennen. Da er aber lediglich weiß, dass ich WordPress bevorzuge, ist die Auswahl an Blogs riesig, und dass er dann auch noch auf genau diesem Beitrag landet (oder einem anderen, in dem es um meine Ausbildung oder die Firma geht), ist die Wahrscheinlichkeit zum Glück sehr gering, dass er hier mitliest. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, aber zum einen habe ich in der Vergangenheit schon böse Erfahrungen damit gemacht, meinen Blognamen herauszurücken, und zum anderen ist er immer noch mein (Ex-)Ausbilder und (Ex-)Kooperationspartner von meinem (Ex-)Ausbildungsträger, der manche Sachen besser nicht weiß. Ganz schön viele Exe.
Aber eigentlich sind mir Reptilien (=Echsen) auch lieber als Menschen, denn erstens können die einem nicht erwartend die Hand entgegenstrecken („Gib Pfötchen!“) und zweitens reden sie weniger.

Und nachmittags war der gefürchtete Psychiatertermin. Was soll ich sagen? Der neue ist fast noch schlimmer als der alte. Und eins haben sie gemeinsam – zuhören tun sie nämlich beide nicht. Das führte bei mir zu überaus mieser Stimmung, sodass meine Betreuerin mich danach fragte „Was kotzt Sie gerade so an?“. Tja, mich hat „angekotzt“, dass er mir so sehr nicht zugehört hat. Er sprach immer nur von „der Diagnose“, also Borderline, auf die er alles, was ich sagte, bezog. Das habe ich ihm vorgeworfen, denn ich habe mich unverstanden gefühlt. Ich war überfordert mit ihm als einem für mich unbekannten Menschen. Er will, dass ich unbedingt Tavor teste, 2 bis 3 Mal die Woche, um die Anspannung zu senken. Er hat nicht verstanden, dass genau dieses „Testen“ mein Problem ist, denn ich kenne dieses Medikament nicht, weiß nicht wie ich darauf reagiere und zusätzlich mag ich dieses wattige Gefühl im Kopf nicht. Und genau dafür ist es berüchtigt (Benzos und so). Wenn ich mich zwischen einem für mich unbekannten Medikament mit sedierender Wirkung und ungewissem Ausgang und Selbstverletzung entscheiden müsste, die immer nach dem gleichen Schema abläuft und mir Sicherheit gibt dadurch, dass sie eben immer gleich abläuft, dann würde ich immer Selbstverletzung wählen. Das habe ich ihm so auch gesagt, denn ich mag keine neuen, für mich unüberschaubaren Dinge.
Und dann fragte ich noch nach einer Überweisung zur Autismus-Diagnostik, aber leider ist mein alter Psychiater sein Chef und der hat da irgendwie Probleme damit. Jedenfalls soll ich erst zum ambulanzeigenen Psychologen, damit der schauen kann, ob ich tatsächlich überhaupt Autistin sein KÖNNTE, und erst wenn der sein Go gibt, dann kriege ich diese Überweisung. Schikane, oh-oh, Schikane, oh-oh-oh-ohhhh.

Es gibt Dinge, die möchte man von seiner behandelnden Ärztin/seinem behandelnden Arzt niemals und unter gar keinen Umständen hören. „Das müssen wir beobachten, wenn das in [entsprechenden Zeitraum einfügen] nicht besser geworden ist, dann müssen wir [entsprechende weiterführende Untersuchungsmethode einfügen] machen, weil das könnte auch etwas Malignes sein.“

Ich war gestern bei meiner Frauenärztin zur Krebsvorsorge, und eigentlich habe ich mir dabei nicht viel gedacht. Ich meine, so wahnsinnig toll finde ich das jetzt auch nicht, aber „der Stuhl“ ist auch nicht mein größter Feind. Und meine Frauenärztin ist zudem auch noch eine sehr, sehr liebe. Und eine Freundin arbeitet dort als Sprechstundenhilfe, das zählt doppelt. Jedenfalls fand sie beim Ultraschall eine Zyste von 3cm Durchmesser am rechten Eierstock (vorher: „Dann wollen wir doch mal sehen, weshalb Sie immer Bauchschmerzen haben, nicht dass da eine Zyste oder etwas ähnliches ist!“), nachdem sie vorher einen geschwollenen und schmerzenden Lymphknoten gefunden hatte. In zwei Monaten will sie mich wiedersehen und dann muss ich gegebenenfalls zur Mammografie, um eben Brustkrebs o.Ä. auszuschließen. Diese Beule habe ich schon seit ungefähr zwei Monaten, habe die Schmerzen allerdings bisher auf die Muskeln geschoben, eben weil ich derzeit immer auf Krücken unterwegs bin. Aber nein, es scheint der Lymphknoten zu sein. Ich habe nun das ärztliche Verbot, mich unter den Armen zu rasieren, um auszuschließen, dass es sich bei der Schwellung um eine Reaktion darauf handelt (was ich bezweifle, denn dazu rasiere ich mich dort zu selten und der Knubbel ist schon zu lange da). Ein bisschen Panik schiebe ich ja doch.

Aber 1. habe ich bekanntermaßen gleich mehrere potentielle Entzündungsherde im Körper (LWS, Knie, heilende Verbrennung), weshalb es durchaus legitim wäre, wenn der Lymphknoten geschwollen ist. Und 2. kann ich an der Ursache gerade sowieso nichts ändern. Ich bin froh, dass es jetzt beobachtet wird, und ansonsten wird nur die Zeit zeigen, was nun bei der ganzen Sache herauskommt. Zwar erscheinen mir 2 Monate extrem lang als Kontrollzeitraum, weshalb ich meine Freundin (s.o.) direkt mal gefragt habe, was ich nun tun soll. Aber meine Ärztin wird wohl (hoffentlich) ihre Gründe haben, weshalb sie tut was sie tut. Und die Zyste am Eierstock ist ja auch noch da, was zumindest der tupfenschwester mehr Sorgen macht als der Lymphknoten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich seit gestern nur deshalb durchgängig Bauchschmerzen habe, weil ich nun weiß, dass dort etwas ist, was da nicht hingehört. Oder, was wahrscheinlicher ist, weil ich es vorher zwar auch hatte, aber nicht weiter drüber nachgedacht habe. Ich bin ein bisschen geplättet, denn eigentlich wollte ich den Kontrolltermin mal eben nebenbei mitnehmen, ganz nach dem Motto „Da war nie was, da wird auch nix sein.“ – so schnell kann es gehen, und plötzlich existiert dieses „nix“ einfach nicht mehr, und vermutlich werde ich auch nie wieder mit dieser Einstellung dorthingehen. „Es ist ein gutes Zeichen, dass es wehtut! Schlimmer wäre eine Schwellung ohne Schmerzen.“ Ähm… danke? Besser wäre aber definitiv keine Schwellung UND keine Schmerzen. Aber natürlich, man muss immer alles irgendwie positiv verpacken. Denn ihr Ausdruck der Augen, der Rest des Gesichtes war ja dank Mundschutzpflicht verdeckt war irgendwie ganz weit von positiv entfernt. Womit wir wieder beim Thema Panik wären.

Also ruhig bleiben, abwarten und Tee trinken. Und Aufgeben gibt’s sowieso nicht.

Von raffinierten Zicken und unkommentierten Kommentaren.

Den Vormittag habe ich mit Verbandswechsel byebye Nekrosen, endlich sind sie komplett weg verbracht und damit, ein wenig aufzuräumen. Im Zuge dessen habe ich einen leeren Joghurtbecher in die Küche und in den Müll gebracht – ich war bereits fast wieder aus der Küche raus, als mein Köpfchen realisierte, was es auf der Anrichte hatte stehen sehen. Eine Packung mitsamt Klemme oben an der offenen Seite. An sich nichts besonderes, die hatte ich gestern dort stehen lassen. Aber seit wann steht dort „raffinierte Zicke“ drauf?! Also umgedreht, und nochmal richtig gelesen. Achso. „Raffinade Zucker“. Die tupfenschwester jedenfalls fand den Verleser ziemlich cool und hat vorgeschlagen, die Packung entsprechend neu zu beschriften. Das würde ich normalerweise auch tatsächlich tun, aber sie besteht aus Papier und ich wüsste nicht, mit welchem Stift ich da raufschreiben soll ohne dass die Zicke der Zucker hinterher schwarz und ungenießbar ist. Weil das wäre Lebensmittelverschwendung.

Zugegeben ist dieses Bild schon ein paar Tage alt, aber ich mag das noch verbloggen, weil ich es (zusammen mit Informatikus) witzig fand. Es war wohl ein Ladefehler von WordPress, nach dem Neuladen war es wieder „richtig“. Negative Kommentare an sich sind ja mittlerweile eher verpönt, Stichwort Cybermobbing und Hater, zumindest wenn sie keine konstruktive Kritik enthalten. Ich habe negative Kommentare in ganz anderer Form, entstanden dadurch, dass ich ausgewählt habe, sämtliche Kommentare vor Veröffentlichung zu überprüfen. Der Inhalt war sehr positiv, aber nach Genehmigung des Kommentars erscheint er halt als „-1“, bevor ich die Seite neu geladen habe. Für mich als absoluten Mathe-Freak handelt es sich dabei um negative Kommentare in ihrer reinsten Form.

Drinnen ist Freitag, und draußen regnet es.

Ich bin frustriert. In hohem Maße einfach nur frustriert. Ich wollte heute morgen rausgehen, Brötchen holen, mir einen Sommerrock kaufen und einfach meine Wohnung verlassen. Ich habe mich angezogen und fertiggemacht – und direkt wieder ausgezogen und zurück ins Bett verfrachtet, denn es wäre nicht gegangen. So sehr Schmerzen und Schwindeligkeit, dass ich vermutlich nichtmal die Treppen hinunter hätte gehen können. Also keine Brötchen. (Erstmal) kein Sommerrock. Und keine frische Luft für das tupfenkind.

Und dann diese Gespräche. Ich weiß, dass ich mit meinen Selbstverletzungen Grenzen überschreite. Es liegt normalerweise in unserer Natur, Verletzungen zu vermeiden soweit das möglich ist. Gegen den Strom schwimmen und sich selbst Verletzungen zuzufügen, die oftmals sogar bluten. Ja, ich weiß. Trotzdem mag ich solche Gespräche nicht. AA ist da gerade das beste Beispiel – er sagt, dass meine jetzige Verbrennung jenseits des Tolerierbaren ist und er sich nun Sorgen macht. Ich weiß nicht genau, woran er nun festmacht, was „tolerierbar“ (O-Ton) ist und was nicht, aber er meint, die aktuelle Wunde ist zu groß und zu extrem und Nekrosen und überhaupt.

Ich möchte nicht hören, dass man sich Sorgen um mich macht. Mir ist bewusst, dass es einige Menschen gibt, die sich verletzen, damit sie eben genau diese Aufmerksamkeit generieren. Das ist bei mir nicht so. Mir ist es unangenehm, meine Wunden zu zeigen, darüber zu reden oder zu hören, dass die Verletzungen so schlimm sind, dass der-/diejenige sich deshalb Sorgen macht. Wo es geht, vermeide ich solche Gespräche und trage meine Wunden grundsätzlich nicht offen zur Schau. Es gibt Leute (wie die Katzen-Lady oder Informatikus), denen ich sie zeige, aber die beiden verstehen auch, dass es dabei nicht um Aufmerksamkeit geht. Es geht um Rat, manchmal geht es auch um simplen Redebedarf.

Denn ja, auch wenn mir die Aufmerksamkeit unangenehm ist, passieren bei der Wundversorgung manchmal Dinge, über die ich reden will oder auch reden muss. Jeder Mensch hat manchmal einfach das Bedürfnis, über Dinge zu reden und diese beim Namen nennen zu können. So ist es bei mir auch, und zwar ohne dass ich dafür Aufmerksamkeit will. Mir wurde in der Vergangenheit schon mehrfach vorgeworfen, dass es mir um Aufmerksamkeit geht und ich deshalb auch Details verrate.

Nein. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass ich über manche Dinge reden möchte, weil sie mich beschäftigen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Fachmenschen sind diesbezüglich etwas schwierig, weil es für sie scheinbar nicht denkbar ist, dass es um etwas anderes als Aufmerksamkeit geht. Oft fühle ich mich der Situation stark ausgeliefert, dann habe ich Dinge gesehen, die für mich vielleicht (morbide) faszinierend sind eingefrorene Haut beispielsweise oder die erschreckend sind. Und dann möchte ich darüber reden. So wie jeder andere Mensch auch über Dinge reden möchte, die er erlebt hat. Bei mir sind sie anderer Natur, aber für mich trotzdem so alltäglich, dass ich darüber rede ohne vorher explizit darüber nachzudenken, wie das beim Gegenüber ankommen könnte. Und leider viel zu häufig wird es als Heischen nach Aufmerksamkeit verstanden, denn sonst würde man solche Dinge ja für sich behalten.

Das trifft (zumindest für mich) so nicht zu. Nur ist der Rededrang manchmal trotzdem größer als der Wunsch, die Verletzungen komplett zu verbergen. Und grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass Schweigen den Teufelskreis der Selbstverletzungen nur verstärkt, denn Verheimlichung gehört in der Regel dazu. Und indem ich offen und selbstverständlich damit umgehe, durchbreche ich diesen Teufelskreis. Ich laufe kurzärmelig herum, stehe zu meinen Narben – und wenn ich mehrere Wochen/Treffen hintereinander nicht dem Wetter entsprechend langärmelig gekleidet bin, dann wird nachgefragt. Von meinen Freunden. Von meiner Betreuerin. Verheimlichen ist also (zumindest an den für mich typischen Stellen) schwierig. Und das hält mich oftmals von Verletzungen ab, weil ich einfach keine Lust auf diese Gespräche habe. Nicht immer, denn oft ist die Überforderung so groß, dass es doch zu Verletzungen kommt. Aber ich habe es zumindest versucht.

Wie schwer Tapferkeit ist.

Gestern habe ich mich offiziell in der alten Firma verabschiedet. Per Videokonferenz, und bis auf einen Kollegen waren auch tatsächlich alle versammelt. Es ist mir verdammt schwergefallen, und obwohl sie gesagt haben, dass ich (bei entsprechenden Kapazitäten) zurückkehren kann, weil ich so gut ins Team passe und die Zusammenarbeit mit mir Spaß gemacht hat, war es anstrengend. Nächste Woche werde ich nochmal hinfahren, die letzten Sachen abholen, und dann war es das erstmal. Schnief. Und da ist es auch unerheblich, dass mein Chef mich nur gelobt hat und erneut daran erinnert hat, wie stark ich bin und mit welcher Tapferkeit ich die Situation ertrage.

Ich brauchte jetzt erstmal eine Pause. Für Blogbeiträge ist das ja zum Glück reichlich unwichtig, denn ich schreibe ja bloß. Weil morgen Feiertag ist und folglich eine kurze Woche, habe ich mit meiner Betreuerin lediglich telefoniert – traurig darüber bin ich nicht wirklich, beim letzten Gespräch habe ich mich von ihr doch arg in die Ecke gedrängt gefühlt, und das brauche ich nicht so schnell wieder (unter anderem deshalb kam die letzte Selbstverletzung in dieser Intensität zustande). Heute hat sie danach gefragt, wie das Wochenende war, wie die Woche war und was ich mit dem Rest der Woche und dem kommenden Wochenende anstellen werde. Ständig fragt sie danach, obwohl sie ganz genau wissen sollte weiß, dass ich gerade nicht zu vielem in der Lage bin. Ich war zwar am Montag bei meiner Freundin der Katzen-Lady, weil sie mir die Haare gemacht hat, aber danach konnte ich gestern auch keine drei Schritte mehr gerade laufen. Meine Haarspitzen sind nun hellorange/blond/gold statt dem rot-schwarz von vorher. Ich lasse meine Haarfarbe herauswachsen (back to nature also), aber das sah davor wirklich schlimm aus. So als hätte ich einen hässlichen Helm auf – das ist jetzt viel besser. Und heute ist es auch nur sehr bedingt besser. Folglich werde ich mich in den nächsten Tagen überwiegend ausruhen, weil mein Rücken das definitiv braucht. Mein Arm auch, das ist echt eklig. Ich war heute morgen weil wegen Zahnschmerzen bei meiner Zahnärztin und danach kurz in der Stadt, um eine Hose zu kaufen (wider Erwarten war ich sehr erfolgreich, Culottes sind meiner Beinschiene wegen eine tolle Erfindung), insgesamt weniger als 3 Stunden, aber danach bin ich halbtot ins Bett gefallen und nach ein paar Happen Frühstück bin ich in einen komatösen Mittagsschlaf gefallen, ebenfalls fast 3 Stunden.
Optimal ist das nicht.

Und jedes Mal noch mit der Nase darauf gestoßen zu werden, was ich gerade nicht kann, macht die Sache echt nicht besser. Nächste Woche habe ich einen Psychiater-Termin, da kommt sie mit, und wenn sie dann wieder damit anfängt, dann werde ich sie darauf ansprechen. Ich bin mir sicher, dass das keine böse Absicht ist, sondern Routine, denn natürlich ist sie darauf bedacht, ihre Klienten zu einer Wochenstruktur mit sozialen Kontakten zu animieren. Aber in meiner momentanen Situation ist es eben bitter, immer wieder sagen zu müssen, dass dieses und jenes nicht geht und ich den größten Teil des Tages im Bett und flach liegend zubringe.

Aufgeben gibt es trotzdem nicht. Nö. Einfach nein. Höchstens der Psychiater nächste Woche kriegt was ab, denn es ist der erste Termin bei ihm, und sein Vorgänger (es bleibt die gleiche Ambulanz) hat es ganz schön verkackt. Meine Betreuerin sagt, ich soll nett zu ihm sein. Ich werde ihm nicht die Finger abbeißen.

Versprochen.